Nosso Kolping viverá – Eigenverantwortung stärken im Nordosten Brasiliens
Seit über 30 Jahren engagiert sich der Essener Kolping Diözesanverband für den Nordosten Brasiliens. Eine elftägige Partnerschaftsreise im August bot Kolpingmitgliedern Einblick in zahlreiche soziale Projekte in den Bundesstaaten Piauí, Maranhão und Bahia, dem Armenhaus des Landes. Felix Krebber hat die Delegation begleitet und schildert seine Eindrücke.
„Mutig vorwärts!“ ruft Klaudia Rudersdorf in die elfköpfige Runde, die sich in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens um eine hell leuchtende Kerze versammelt hat. Mutig vorwärts – Aufruf und Ermunterung mit den Worten Adolph Kolpings, in dessen Namen sie unterwegs sind. Gemeinsam mit Willi Stahlschmidt, der sich im Diözesanvorstand seit vielen Jahren um die internationalen Partnerschaften des Essener Diözesanverbandes zu Brasilien und Polen kümmert, möchte sich die stellvertretende Diözesanvorsitzende über die Arbeit des brasilianischen Kolpingwerkes im Nordosten Brasiliens informieren. Die Mitreisenden sollen Eindrücke in die Kolpingsfamilien zuhause tragen, um so die Partnerschaft zu intensivieren. Das gemeinsame Ziel der Delegation ist zunächst der Stützpunkt der Kolpingarbeit des Bundesstaates Piauí in der brasilianischen Provinzhauptstadt Teresina, von wo aus 102 Kolpingsfamilien in Piauí mit über 3.200 Mitgliedern koordiniert werden. Nach langer Reise am anderen Ende der Welt angekommen, erlangen die Reiseteilnehmer einen ersten Eindruck von der Vitalität des dortigen Kolpingwerkes, eine Capoeira-Gruppe übt im Innenhof den traditionellen brasilianischen Kampftanz. Unter den aktiven Tänzerinnen – allesamt rüstige Seniorinnen – die 99jährige Donna Maria, die vorrechnet, dass es nur noch wenige Wochen bis zu ihrem nächsten runden Geburtstag sind. Die farbenfroh bemalten Mauern um die freundlich gestalteten Tagungs- und Begegnungsräume geben einen ersten Ausblick auf das Besuchsprogramm der Delegation für die kommenden Tage. Auf den großformatigen Wandmalereien sind die vielfältigen Projekte des Kolpingwerkes in Piauí dargestellt, angefangen von einem Zisternenbau bis hin zur Ziegelei. Handwerkliche Projekte sollen den Menschen eigene Einkommensquellen erschließen, das Kolpingwerk gibt vielfältige Starthilfe. Mit den zahlreichen Sozialprojekten gibt Kolping ein authentisches Beispiel für christliche Solidarität in einem Umfeld, das gerade für die katholische Kirche schwieriger wird. Der Anteil der katholischen Bevölkerung ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, während er im Jahre 2000 noch bei 73,8% lag, sank er 2005 auf 67,2%. In den Mega-Städten liegt er noch niedriger. Gleichzeitig ziehen Sekten immer mehr Menschen in ihren Bann und erleichtern die ohnehin Armen mit Heilsversprechen um das Wenige, das sie haben.
In der alltäglichen Arbeit hat das Kolpingwerk aber vor allem mit den großen Distanzen zu kämpfen. Regionale Koordinatoren halten Kontakt zu Hilfsprojekten und natürlich den zahlreichen Kolpingsfamilien in den Städten und Dörfern. Bernadette, Koordinatorin für die Nordost-Region erzählt, sie hat aufgegeben, die zahlreichen Stunden, die sie in Bus, Auto und Flugzeug verbringt, zu zählen. „Umso mehr freuen sich die Menschen aber über unseren Besuch, dass wir die weite Anreise auf uns genommen haben und uns für das Engagement vor Ort interessieren“ unterstreicht Klaudia Rudersdorf nach den ersten Begegnungen.
Die erste Kolpingsfamilie auf dem Besuchsprogramm wartet in Pimenteiras auf die deutsche Delegation. In der Pausenhalle der städtischen Schule hängt schon das Kolpingbanner, der dortige Kolpingpräsident, der Bürgermeister und viele Kolpingmitglieder begrüßen die weit gereisten Gäste. Der Ort, sowie das von Seiten der Stadtspitze hochkarätig besetzte Empfangskomitee, zeigt hier wie anderswo, die häufig enge Kooperation zwischen kommunaler Politik und den Kolpingsfamilien, die sich stark ins Geschehen der Gemeinden einbringen. Die Aktivitäten der erst 2003 gegründeten Kolpingsfamilie verdeutlicht das Spektrum des Engagements. 2004 konnte das brasilianische Kolpingwerk ein Agrarprojekt von vier Familien unterstützen, 2005 wurde die Musikgruppe gefördert – Arbeit und Kultur unter dem Dach des Verbandes.
Musikalische Angeboten prägen auch zwei Straßen weiter das Bild. Eine Stiftung stellt mit Unterstützung Kolpings Kochkurse, Sportangebote und Basteln auf die Beine und holt so 100 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren von der Straße. Volksdroge Fußball gegen Betäubungsmittel – auf Plakaten machen die Jugendlichen auf ihr Motto aufmerksam. Die Kinder und Jugendlichen werden auf diese Weise stark gemacht, um sich im Leben zu behaupten. Auch die Eltern werden in die Sozialarbeit integriert. Der Andrang übersteigt jedoch die Kapazitäten der Einrichtung, erklärt die Projektleiterin, 70 Kinder stehen auf der Warteliste.
Schwerpunkt Berufsförderung von Frauen
„Uns alle verbindet das gleiche Band Kolpings“ fasst Hans Schmied die Verbundenheit der Menschen in Deutschland mit den Brüdern und Schwestern in Brasilien treffend zusammen. Der österreichische Geistliche ist Landespräses von Piaui und hat seinen Sitz bei der Kolpingsfamilie Campo Velho in Floriano. Dort gelingt die Verbindung von Freizeitgestaltung und Engagement in der Arbeitswelt unter Kolpings Vorzeichen. Im Kolpinghaus von Floriano finden regelmäßige Theaterkurse und Vorführungen statt, Kunst und Musik haben Raum. Im „Centro Digital“, einem Internetcafé, besteht kostengünstiger Netzzugang, der unter anderem für Studenten der Gemeinde unverzichtbar ist. Besonders am Herzen liegt der Kolpingsfamilie aber die Berufsförderung von Frauen. Zwei Schwestern konnte mit der Finanzierung zweier Nähmaschinen geholfen werden, die Familie durchzubringen. In zwei nebeneinander liegenden, bescheidenen Häuschen haben sie ihre Schneiderstube eingerichtet. Sie nähen Kleider und Wäsche. Stofffetzen, die übrig bleiben, verarbeiten sie zu kunterbunten Fußmatten, Christusbilder hängen an der Wand, auf der Tür ein Wahlkampfaufkleber von Präsident Lula. Die afrikanischstämmigen Frauen der Unterschicht müssen den Unterhalt der Familie verdienen, ihre Männer erwirtschaften häufig ein unregelmäßiges Einkommen – wenn sie überhaupt arbeiten. Schwarzarbeit und das Fehlen sozialer Sicherung zwingen die Frauen zum Handeln. So auch um die Ecke bei Veronica und ihren beiden Kolleginnen. Sie hat sich mit zwei weiteren Frauen mit einer Gärtnerei selbstständig gemacht. Hinter einer Metalltür öffnet sich ein kleines grünes Paradies. Blumentöpfchen stehen dich an dicht im Gewächshaus, Rosen betören mit ihrem süßlichen Duft. Sträucher und Bäumchen gedeihen im hinteren Teil des Geländes. Leben können Veronica und ihre Kolleginnen jedoch nicht von der Blumenzucht. Nur die reiche Oberschicht Brasiliens leistet sich floralen Wohnungsschmuck, verirrt sich aber nur selten in das Gewächshaus von Veronica. „Außerdem dauert es viel zu lang bis die Pflanzen geerntet werden können“, erklärt Veronica. Es musste etwas geschehen. Mit der Hilfe von Pfarrer Schmied baute Veronica mit ihren Partnerinnen auch eine Gemüsezucht auf. Auf den gepflegten Beeten recken sich Salatblätter in die Höhe und leuchten saftiggrün in der Sonne. Nebenan wachsen Möhren, Koreander, Schnittlauch und Peperoni. Produkte, die Veronica und ihre Kolleginnen sowohl am Tor zu ihrer Gärtnerei, als auch in den Supermärkten der Stadt verkaufen.
Hilfe zur Selbsthilfe zu geben ist Prinzip von Schmied, der dafür sorgte, dass die Frauen sich weiterbildeten, um das Know-how für ihre Gärtnerei zu erlangen. Nun beherrschen sie viele Kniffe: Engmaschige Netze schützen beispielsweise bei Niederschlag vor Regenschäden, gedüngt wird umweltverträglich und Kosten sparend mit Ziegenmist.
Zisternen beenden die Dürre
Landwirtschaftliches Neuland beschreitet auch Familie Costa nahe der Stadt Simplicio Mendes. Das entlegene Bauernhaus ist nur über eine staubige Schotterpiste zu erreichen, 40 Minuten dauert die Fahrt hinaus in die trockene Savannenlandschaft, die mit ihrer Dürre so gar nicht zu den stereotypen brasilianischen Regenwald-Klischees passen will. Wasserknappheit ist eines der drängendsten Probleme der Region, Familie Costa nimmt an einem Modellprojekt teil, das ihr hilft die Dürreperiode zu überstehen. Wenige Meter von ihrem Haus entfernt strahlt der weiß-graue Zement einer Zisterne hell in der Sonne, die senkrecht vom Himmel brennt. In ihr speichert die Familie das Wasser, das in der Regenzeit in Strömen fällt, das Jahr über aber fehlt. Eine Metallregenrinne nimmt den Regen auf und leitet ihn in den Wasserbehälter, der mit seinen 16.000 Litern Fassungsvermögen eine fünfköpfige Familie durch die Trockenzeit bringen kann. Kochen, Trinken und Hygiene – mit der Zisterne ist das nötige Wasser nur einen Steinwurf entfernt. Bei einem Verbrauch von 50 Litern pro Tag reicht das Wasser dann acht Monate lang.
Der nächste Brunnen ist für Familie Costa einen Kilometer weit entfernt gelegen, erzählt Angelika Mendes di Sousa Costa, ein beschwerlicher Weg mit Esel und Wasserfässern, der inzwischen der Vergangenheit angehört. Stolz ist sie auf eine zweite Zisterne, die den Hügel hinab 300 Meter weg vom Bauernhaus steht. Eine niedrige, etwa 50 m² große Wanne fungiert als Wasseraufnahmebecken, dessen Abfluss direkt in eine noch größere Zisterne mündet. Wo die Familie früher nur in der Regenzeit ihre Felder bestellen konnte, um Mais, Bohnen und den für diese Region typischen Maniok anzupflanzen, eröffnen sich nun neue Möglichkeiten. Überall sprießt Grün aus der rostroten Erde, inmitten der Dürre liegt eine kleine Oase, sogar Mangobäume wachsen und bringen reiche Frucht. Sie sind sonst nur in tropischen Gebieten zuhause und benötigen ständig Feuchtigkeit an ihren Wurzeln, die nun die Großzisterne spendet.
Das Zisternenprogramm trägt die eindeutige Handschrift des brasilianischen Kolpingwerkes. Nicht nur ein Registrierungsschild deutet auf den Verband als einer der Initiatoren hin. Bis 2004 hatte das Kolpingwerk Piauí bereits 100 Zisternen gebaut. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser brachte im Zuge des Zisternenbauprojektes spürbare Verbesserungen der Gesundheitssituation mit sich. Mit diesem Engagement war Kolping einer der Impulsgeber für ein Regierungsprogramm, das nun eine ganze Million Zisternen landesweit verspricht. In die Realisation im Bundesstaat Piauí ist Kolping mit einem Netz von Nicht-Regierungsorganisationen eingebunden. Viele Mitarbeiter des Projektes, sowie die Projektleiterin Marlene sind Kolpingmitglieder. Sie zieht eine positive Zwischenbilanz: In den letzten Jahren konnten in Piauí 4.637 Zisternen errichtet werden – je eine pro Familie. Mit Hilfe eines Fragebogens wird anhand von Indikatoren, wie Anzahl der Kinder und Altersstruktur, die Bedürftigkeit geprüft und ein Hilfeplan erarbeitet. Die Familien werden in den Bau der Zisternen eingebunden, sie müssen das Loch für den Wasserspeicher ausheben, bevor die Maurer anrücken. Dabei verhelfen die Zisternen nicht nur zu frischem Wasser, sondern geben auch vielen Maurern Arbeit, die in der Region inzwischen gefragte Leute sind.
Im Bauernhaus der Familie Costa ist auf dem Tisch im Wohnraum ein Kolpingbanner ausgebreitet. Kuchen und Getränke hat die Familie vorbereitet, um die Delegation zu bewirten, die den holprigen Weg zu den weit ab gelegenen Kolpinggeschwistern zum Teil auf der Ladefläche von Pic-up-Fahrzeugen –nicht ganz ohne Blessuren– hinter sich gebracht hat. Der beschwerliche Weg zu diesem Projekt hat sich gelohnt, ist sich Klaudia Rudersdorf sicher. „Die Wege sind schwierig, aber eure Gastfreundschaft lässt die Strapazen vergessen“, dankt sie der Familie. Im Kreis rund um das Kolpingbanner in der Mitte versammelt endet die kleine Begrüßungsfeier mit dem obligatorischen portugiesischen Kolpinglied „Nosso Kolping viverá“, dessen Refrain Teile der Delegation inzwischen voller Inbrunst mitschmettern können.
Solidarische Ökonomie gegen die Auswüchse des Kapitalismus
Die diesjährige Delegationsreise hält eine Premiere bereit. Seit drei Jahren ist zu der Partnerschaft mit dem Bundesstaat Piauí auch eine Kooperation mit Kolping in Maranhão hinzugekommen. Willi Stahlschmidt erzählt, dass es der erste Besuch bei den Kolpingsfamilien in Maranhão ist, dem Staat, den Literaten gerne als Land der Palmen beschreiben. Doch so blumig dies klingen mag, die Probleme sind auch hier ganz handfest: Perspektivlosigkeit und Armut. An dieser Stelle setzt Kolping mit einem Weiterbildungsprogramm an. Kolpings Nordost-Koordinatorin Bernadette bringt es auf eine einfache Formel: „Wer eine Ausbildung hat, wird nicht ausgebeutet“. Vor diesem Hintergrund hat Kolping ein Projekt zur sozialen Integration und Qualifizierung Jugendlicher ins Leben gerufen, das inzwischen seit drei Jahren existiert. Es ist eines der inzwischen sehr wenig gewordenen Projekte, die die Europäische Union finanziert. Die EU konzentriert sich in ihrer Entwicklungshilfe zunehmend auf Afrika und zieht sich aus Lateinamerika zurück. Dass die EU weiterhin das Projekt in Maranhão finanziert, zeugt von der hohen Qualität der Maßnahme. Im April 2009 ist eine neue Projektphase gestartet. Das 36monatige Projekt bildet 1.200 Jugendliche im Alter von 18-29 Jahren zu Kleinunternehmern aus. Die zur Hälfte weiblichen Teilnehmer stehen mit ihren Gruppen im Wettbewerb um die beste Geschäftsidee. Die sechs besten Business-Pläne werden mit einem Startkapital von 5.000 brasilianischen Real (etwa 1.900 €) ausgestattet, mit dem die Kleinunternehmer den Sprung in die Selbstständigkeit wagen können. Wer nicht gewinnt, kann auf Sponsoren hoffen, die Kolping für die übrigen Geschäftsideen sucht. Zu Grunde liegt der wirtschaftlichen Tätigkeit immer das Konzept der „Solidarischen Ökonomie“, das die Jugendlichen in Kursen vermittelt bekommen. Es setzt sich zum Ziel, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern und nicht Kapital zu erwirtschaften – der Mensch steht im Mittelpunkt der Bemühungen. Kaufe was du brauchst, nicht was du willst ist die Formel gegen den ungezügelten Konsum des Kapitalismus, gegen den die „Solidarische Ökonomie“ einen Gegenentwurf bietet. Solidarisch ist vor allem die Abneigung gegen Ausbeutung der Mitmenschen. Auch die Umwelt soll unter der wirtschaftlichen Betätigung nicht leiden, bekommen die Jungunternehmer mit auf den Weg.
Voll ins Konzept passt die Geschäftsidee von João (16) und Pedro (18). Die beiden Jungunternehmer haben eine Reparaturwerkstatt für Elektrogeräte gegründet. In den Kolpingkursen haben die beiden so nicht nur Zusammenhänge von Marktökonomie, Unternehmensgründung und Sozialkompetenz gelernt, sondern wurden durch qualifizierte Werkanleiter auch fit gemacht im Umgang mit Lötkolben und Transistoren. Wenn die beiden nachmittags von Schule und Praktikumsbetrieb zurückkommen führt ihr Weg nicht auf den Fußballplatz, sondern in die gemeinsame Unternehmung, wo sie kaputte TV-Geräte und Computer auf Vordermann bringen. Und die Umwelt hat auch noch etwas davon, weil Abfall eingespart wird. Mit der Siegerprämie haben die beiden ihre eigenen Arbeitsräume in einer Seitenstraße eingerichtet. Auf meine Frage, was sie mit ihrem ersten erwirtschafteten Geld gemacht haben, antworten sie mustergültig: „Natürlich haben wir das investiert und zwar in einen Internetanschluss“. Ihr Lehrer, der den Besuch begleitet, lächelt und scheint mächtig stolz auf seine Zöglinge zu sein. Inzwischen können sich die Jungen vor Aufträgen kaum retten, ein Blick in die Abstellkammer zeigt viele Fernseher, die noch auf Reparatur warten.
Vielfältiges Engagement im Namen Kolpings
Die Spanne vom Jungunternehmerprojekt bis hin zum Zisternenbau illustriert das vielfältige Engagement des Kolpingwerkes in Brasiliens Nordosten. Die Delegationsreise führte die Teilnehmer neben den beschriebenen Stationen zu Projekten, wo Kolping mit Mikrokrediten bei der Existensgründung und -sicherung hilft. Die Not der Menschen wurde, wie viele Teilnehmer einer dort hin gereisten Kleingruppe bestätigten, auch in den Überschwemmungsgebieten im Norden von Piauí sichtbar, wo Unwetter zu Jahresbeginn ein ganzes Dorf überfluteten und zerstörten. Die Existenzangst in einem Land, das soziale Sicherung nicht kennt, ist groß, eine regelmäßige und verlässliche Einkommensquelle in selbstständiger Erwirtschaftung überlebensnotwendig für die Menschen im Nordosten Brasiliens. Das Kolpingwerk hilft an verschiedenen Stellen Menschen Eigenverantwortung zu stärken und getreu dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe das Leben zu meistern. Um die Hilfsprojekte noch gezielter zu begleiten, will der Essener Diözesanverband die Kommunikation mit den Koordinatoren der Arbeit im Nordosten Brasiliens intensivieren. Regelmäßige Kontakte –nicht zuletzt ermöglicht durch das Internet- sollen Kolpingsfamilien im Ruhrbistum die Möglichkeit geben, Anteil am Leben der Menschen in Brasilien zu nehmen und zielgerichtet mit Spendengeldern zu unterstützen.
Klaudia Rudersdorf fühlt sich nach der Reise den Menschen in Brasiliens Nordosten verbunden: „Ich habe mir vorgenommen, persönliche Kontakte zu pflegen und habe viele Anliegen notiert und mit nach Essen genommen. Ganz Kleine werde ich sofort erfüllen – ein Bildband der Stadt Essen, den sich eine Kolpingsfamilie gewünscht hat, ist schon unterwegs, größere Wünsche, wie der Bau einer Versammlungsstätte für die Kulturgruppe einer afrikanischstämmigen Kolpingsfamilie in Salinas werden wir jetzt prüfen.“ Auch Organisator Willi Stahlschmidt, der sich im Diözesanvorstand um die Partnerschaften zu Brasilien und Polen kümmert, ist sichtlich zufrieden mit dem Verlauf der Projektreise: „Es war uns besonders wichtig neben Piauí die beiden Bundesstaaten Manahão und Bahia zu besuchen, wo die Arbeit nicht so intensiv ist, wie in Piauí. Hier konnten wir uns trotz der Kürze der Zeit ein differenziertes Bild machen und wissen, wo wir in der Zusammenarbeit Schwerpunkte legen werden.“ Klaus Betting, der auch an der Delegationsreise teilgenommen hat und sich seit vielen Jahren mit seiner Kolpingsfamilie für Brasilien einsetzt, hat den Eindruck gewinnen können, dass die bisher auch von ihm gesammelten Spenden „gut angelegt“ sind. „Die beeindruckenden Erfahrungen der Reise werde ich nun in meine Kolpingsfamilie tragen“, sagt Betting. Auskunft über Projekte, die Unterstützer suchen, gibt ein in Zusammenarbeit mit Kolping International erstellter Projektkatalog, den der Essener Diözesanverband kürzlich vorgestellt hat. Klaudia Rudersdorf hofft im Zuge der Berichte in den Kolpingsfamilien noch mehr Menschen für die Partnerschaft mit Brasilien gewinnen zu können und stimmt frohen Mutes ein: „Nosso Kolping viverá!“
(z.T. gekürzt) erschienen in: RuhrWort, 51. Jg., Nr. 39, S. 10; Kolping Essen aktuell 3/2009, S. 5-10.
Über diesen Eintrag
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- Veröffentlicht:
- 28. September 2009 / 10:11
- Schlagwörter:
- Brasilien, Kolping, Kolping Diözesanverband Essen, Kolping International, Maranhao, Piauí, Ruhrwort































Felix Krebber studiert an der Universität Leipzig im MA-Programm “Communication Management”.
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