Verantwortung zählt – Buch über Sozialeinsatz im Profifußball
Die Fußballclubs der Bundesliga sind nicht nur sportlich große „Player“. Inzwischen hat sich der deutsche Profifußball zu einer wirtschaftlichen Größe mit 1,7 Mrd. € Umsatz gemausert. Während die Diskussion über sportliche Leistungen großen medialen Stellenwert genießt, bleiben die Vereine mit ihrem zunehmenden sozialen und karitativen Engagement eher im Stillen. Man engagiere sich nicht, „um in der Zeitung zu stehen“, so Tom Bender, von der Deutschen Fußballliga.
Einen Überblick über das stille aber hilfreiche Wirken vieler Vereine gibt nun ein Sammelband, der unter dem Titel „Nicht nur Tore zählen“ Fußballvereine und ihre soziale Verantwortung in den Blick nimmt. Herausgeber und Arminia-Bielefeld-Chef Roland Kentsch hat ein Kapitel dem FC Schalke 04 gewidmet, in dem drei Projekte vorgestellt werden, bei denen die Schalker mit der Katholischen Kirche am Ball sind. Die Spannbreite reicht vom Kinderhospiz „Arche Noah“ der St. Augustinus GmbH über eine Arbeitsloseninitiative der Caritas bis hin zum Jugendtreff der Amigonianer. Bruder Anno Müller stellte als einer der Autoren das Engagement des Ordens in Gelsenkirchen vor. Schließlich begann die Arbeit des spanischen Ordens vor rund 20 Jahren mit „Kickern in Kutte“, knüpften die Mönche doch beim Ballspiel die ersten Kontakte in der Feldmark. Der Jugendtreff wurde vis à vis zum Bolzplatz errichtet, aus dem Kreis der Jugendtreffbesucher ist heute sogar eine eigene A-Jugend Fußballmannschaft hervorgegangen. Impulsgeber hierfür war die Jahre lange Patenschaft zwischen den „Amigos“ und dem FC Schalke 04, angefangen bei Kartenschenkungen bis hin zu Spenden. Gemeinsam machten sich die Ordensbrüder mit dem Schalker Fanprojekt für Gewaltprävention unter jugendlichen Fußballfans stark. Mit dabei waren in der Feldmark, wie auch in den anderen Projekten, immer auch die Spieler des Vereins.
Berührt erinnert sich Ex-Schalke-Profi Olaf Thon an eine Begegnung mit schwer behinderten Kindern in der „Arche Noah: „Erfahrungen wie diese sind Ansporn sich sozial zu engagieren“. Im Schlepp hatte er die gesamte Schalker A-Jugend, um den Nachwuchsspielern früh ihre Verantwortung in der Gesellschaft aufzuzeigen. Benefiz-Aktionen mit den Erstliga-Profis ließen die Spendendosen klingeln.
Kentsch und die Mitautoren stellen in dem Sammelband facettenreich das Engagement elf großer wie kleiner Fußballclubs dar. Interviews mit Persönlichkeiten wie Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München), oder Dieter Hoeneß (Herta BSC Berlin) zeigen, dass sich die Verantwortlichen in den Vereine der integrative Kraft des Fußballs bewusst sind. Herausgeber Kentsch weiß auch um die Wertschätzung der Fans „Fußballvereine geben vielen Menschen Ersatz für fehlende Familie oder Arbeit“ und sieht dies als Verpflichtung und Ermutigung für sein Tun. Kentsch selbst engagiert sich seit Jahren für die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel. (Felix Krebber)
Ruhrwort, 18.10.2008
Roland Kentsch (Hrsg.): Nicht nur Tore zählen – Fußballvereine und soziale Verantwortung. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2008, ISBN 978-3-89533-554-9, gebunden, 204 S., 16,90 €
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- Veröffentlicht:
- 18. Oktober 2008 / 14:50
- Kategorie:
- Mediathek


Felix Krebber studiert an der Universität Leipzig im MA-Programm “Communication Management”.
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